Regenerative Landwirtschaft macht den Boden mit jeder Saison gesünder, statt ihn auszuzehren. Der Hanf aus Gotland, den Helsama einkauft, wird mit Blumenreihen zwischen den Hanfreihen angebaut — ein altes Bauernwissen: Die Blumen locken Nützlinge und Bestäuber an, halten Schädlinge auf natürliche Weise in Schach und bauen einen lebendigen, vielfältigen Boden ohne chemische Pflanzenschutzmittel auf. Die industrielle Landwirtschaft bewirkt das Gegenteil und laugt den Boden Jahr für Jahr aus.

Was ist regenerative Landwirtschaft?

Regenerative Landwirtschaft ist eine Anbauweise, die die Gesundheit des Bodens wiederaufbaut, statt sie zu verbrauchen. Die Grundprinzipien sind einfach und alt: den Boden so wenig wie möglich stören, ihn bedeckt halten, Vielfalt statt Monokultur anbauen, so lange wie möglich lebendige Wurzeln im Boden haben und auf synthetische Pflanzenschutzmittel und Kunstdünger verzichten. Das Ziel ist ein Boden, der mit jedem Jahr fruchtbarer, widerstandsfähiger und lebendiger wird.

Warum Blumen zwischen den Hanfreihen?

Die Blumenreihen zwischen der Kultur sind keine Dekoration, sondern ein Werkzeug. Die Blühstreifen nähren Bestäuber und Räuberinsekten — Schwebfliegen, Florfliegen, Schlupfwespen, Marienkäfer und Laufkäfer — die ihrerseits Blattläuse, Käferlarven und Raupen fressen, die sonst weggespritzt worden wären. Ein paar Meter Blumen bergen eine unbezahlte Schädlingsabwehr.

Der Effekt ist gut dokumentiert. Eine Schweizer Studie an Winterweizen (Tschumi u.a., 2015) fand heraus, dass Felder mit angelegten Blühstreifen 40–53 % weniger Blattkäfer-Schädlinge und 61 % weniger Ernteschäden aufwiesen als Felder ohne Streifen. In Versuchen mit Apfelplantagen, die fünf Jahre lang nicht gespritzt worden waren, hatten Reihen mit Blumengängen 9,2 % beschädigte Früchte, gegenüber 32,5 % in Kontrollfeldern ohne Blumen. Großbritannien führt nun eine fünfjährige Studie auf 15 Höfen durch, bei der sechs Meter breite Blühstreifen quer durch die Felder gelegt werden, nicht nur an den Rändern, weil die Nützlinge sonst nicht die Mitte eines großen Feldes erreichen. Eine breitere Forschungssynthese (Albrecht u.a., 2020) bestätigt das Muster: Blühstreifen erhöhen im Durchschnitt sowohl die natürliche Schädlingskontrolle als auch die Bestäubung.

Dasselbe Prinzip funktioniert im Küchengarten ebenso wie auf kommerziellen Feldern: Setzt man blühende Arten nahe an die Kultur, tauchen die Räuberinsekten zusammen mit den Schädlingen auf. Für den Hanf auf Gotland bedeuten die Blumenreihen, dass die Schädlinge ohne chemische Insektenmittel niedrig gehalten werden und der Boden zugleich ein reicheres Pflanzen- und Insektenleben erhält.

Die eigenen Schädlinge des Hanfs und die Gegenmittel der Blumen

Die Verbindung zum Hanf ist direkt. Die häufigsten Insektenschädlinge des Hanfs sind die Hanfblattlaus (Phorodon cannabis), der Corn Earworm (Helicoverpa zea, eine Raupe, die sich in die Blütenknospen bohrt), der Hanfbohrer (Grapholita delineana) und die Hanfrostmilbe (Aculops cannabicola). Und die Nützlinge, die ein Blühstreifen nährt, sind genau jene, die diese in Schach halten.

Laut amerikanischen Hanfforschungsprogrammen (unter anderem Cornell und NC State) sind Marienkäfer, Florfliegen und räuberische Blumenwanzen (minute pirate bugs) die wichtigsten natürlichen Feinde der Hanfblattlaus, während Schlupfwespen (zum Beispiel Trichogramma) und Räuberinsekten die Eier und frühen Stadien der Corn-Earworm-Raupe angreifen. Der Blühstreifen bietet diesen Räubern Nektar, Pollen und Schutz, sodass sie bereits vor Ort im Hanffeld sind, wenn die Schädlinge auftauchen — statt dass man spritzen muss. Die Blumen zwischen den Hanfreihen sind also kein Zufall, sondern eine gezielte Art, die eigene Schädlingsbekämpfung des Hanfs herbeizurufen.

Was alte Bauern schon wussten

Das ist keine neue Erfindung. Lange vor Kunstdünger und chemischen Pflanzenschutzmitteln bauten Bauern in Mischkultur an, wechselten die Kulturen von Jahr zu Jahr, ließen Feldraine, Hecken und Wiesenränder stehen und setzten Begleitpflanzen neben die Hauptkultur. Das Wissen, dass Vielfalt und lebendiger Boden eine stärkere Ernte bringen, ist Hunderte von Jahren alt. Regenerative Landwirtschaft ist zu einem großen Teil eine Rückkehr zu diesem Wissen, mit moderner Forschung, die erklärt, warum es funktioniert.

Wie die industrielle Landwirtschaft den Boden verschlechtert

Intensive industrielle Landwirtschaft beruht auf Monokultur, harter Bodenbearbeitung und synthetischen Betriebsmitteln. Sie liefert kurzfristig hohe Erträge, zehrt aber am Boden: Der Humusgehalt sinkt, die Bodenstruktur wird zerstört, die Erosion nimmt zu und das Leben im Boden wird ausgelaugt. Die FAO hat beschrieben, dass ein großer Teil der weltweiten Böden in einem verschlechterten Zustand ist, zu einem großen Teil aufgrund intensiver Bodennutzung. Je schwächer der Boden wird, desto mehr Kunstdünger und Pflanzenschutzmittel sind nötig, um den Ertrag aufrechtzuerhalten — eine Abwärtsspirale.

Regenerativ oder industriell, Jahr für Jahr

Der Unterschied liegt in der Richtung. Industrielle Landwirtschaft ist im Grunde degenerativ: Der Boden wird mit jeder Saison etwas schlechter und die Abhängigkeit von chemischen Betriebsmitteln steigt. Regenerative Landwirtschaft kehrt das um, Humusgehalt, Wasserspeicherung, Bodenleben und die eigene Abwehr der Kultur werden Jahr für Jahr aufgebaut. Langzeitversuche wie der Farming Systems Trial des Rodale Institute haben die Systeme über Jahrzehnte verglichen und gezeigt, dass regenerative Systeme die Fruchtbarkeit des Bodens im Laufe der Zeit aufbauen.

Was das für den Hanf aus Gotland bedeutet

Gotland hat einen ausgeprägten, kalkreichen Boden und lange Lichtstunden im Sommer (siehe der Kalkstein unter Gotland und der Klimavorteil des Nordens). Wenn der Hanf dort regenerativ angebaut wird, mit Blumenreihen und ohne synthetische Pflanzenschutzmittel, wird der Rohstoff rein und rückverfolgbar über den gesamten Weg. Helsama kauft diesen Hanf und veredelt ihn in Estland. Wir machen keine gesundheitsbezogenen Aussagen, aber wir stehen dafür ein, wie er angebaut wird und woher er kommt.

Häufige Fragen

Warum werden Blumen zwischen den Hanfreihen angebaut?

Um Bestäuber und Nützlinge anzulocken, die die Schädlingskontrolle auf natürliche Weise übernehmen, und um ein reicheres Bodenleben aufzubauen, statt chemische Pflanzenschutzmittel zu spritzen.

Ist regenerative Landwirtschaft dasselbe wie ökologische?

Sie überschneiden sich, sind aber nicht identisch. Ökologischer Anbau regelt vor allem, was man nicht verwenden darf; regenerativer Anbau konzentriert sich darauf, die Gesundheit des Bodens (Humus, Vielfalt, lebendige Wurzeln) im Laufe der Zeit aktiv aufzubauen.

Werden auf dem Hanf aus Gotland Pflanzenschutzmittel eingesetzt?

Nein, der Hanf wird ohne synthetische chemische Pflanzenschutzmittel angebaut. Die natürliche Vielfalt erledigt die Arbeit stattdessen.

Quellen

  • Tschumi, M. et al. (2015). High effectiveness of tailored flower strips in reducing pests and crop plant damage. Proceedings of the Royal Society B 282: 20151369. doi:10.1098/rspb.2015.1369
  • Albrecht, M. et al. (2020). The effectiveness of flower strips and hedgerows on pest control, pollination services and crop yield: a quantitative synthesis. Ecology Letters 23(10):1488–1498.
  • FAO & ITPS (2015). Status of the World's Soil Resources. Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen.
  • Pywell, R.F. et al. (2015). Wildlife-friendly farming increases crop yield: evidence for ecological intensification. Proceedings of the Royal Society B 282: 20151740.
  • "Pest Management Needs and Limitations for Corn Earworm, an Emergent Key Pest of Hemp in the United States." Journal of Integrated Pest Management (2021) 12(1):34.
  • Cornell Hemp. Insect pests, pollinators, and beneficials in New York State Industrial Hemp.
  • NC State Extension & LSU AgCenter. Die Hanfblattlaus (Phorodon cannabis) im Industriehanf — natürliche Feinde.
  • Rodale Institute. Farming Systems Trial — Langzeitvergleich regenerativer und konventioneller Systeme.